
Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Vieh noch alles, was dein Nächster hat
Oder: Wenn ich der Gott bin, der dich befreit hat, dann wirst du nichts unternehmen, um dich in den Besitz deines Nächsten zu bringen.
Wieder geht es ursprünglich um das Eigentum. Diesmal wird der ganze mögliche Besitz eines Menschen aufgezählt. Nach altem israelitischem Recht war die Frau eine Art Besitztum des Mannes und wurde unter seine Güter gerechnet. Das sehen wir heutzutage natürlich anders. Das Gebot will die Lebensgrundlage des Nächsten schützen. Ursprünglich für den Fall, wenn er sich auf Wallfahrt oder in Kriegsgefangenschaft befand.
Vor den Dingen steht das Wort "begehren". Was meint dieses Wort? Synonyme (=bedeutungsähnlich) für dieses Wort können sein: Haben wollen, verlangen, hungern nach, Lust haben auf, dürsten, lechzen, schmachten, gieren, sich verzehren nach, drängen, anstreben, verlangen, brennen auf.
Diese Synonyme machen deutlich wie der Kern von "begehren" aussieht. Etwas haben wollen, was eigentlich meinem Nächsten gehört. Dieses "haben wollen" kann in seiner Intensität krank machen. Ich muss es haben, "koste es was es wolle". Ich "opfere Zeit und Geld", damit ich es haben kann. Beide Sätze zeigen, dass es um das ICH geht, das etwas haben will, was einem anderen Menschen gehört. In dem Wort "begehren" steckt die Gier, die Unersättlichkeit, die ohne Rücksicht auf Verluste etwas haben will.
Mit dem zehnten Gebot wird das lebensnotwendige Eigentum der Menschen geschützt. Damit sind sowohl illegale und legale Strategien abgewehrt, um einen Menschen um seine Lebensgrundlage zu bringen.
Aus dem "begehren", dem "haben wollen" entsteht Unheil unter den Menschen. Wenn die Liebe zum Mitmenschen fehlt, geht die Grundlage des sozialen Gefüges verloren. In diesem Gebot wird das siebte Gebot: "Du sollst nicht stehlen" noch einmal unterstrichen. Nicht erst die vollendete Tat ist Stehlen. Das neunte und das zehnte Gebot sagen, dass schon das Begehren und die damit verbundene Blindheit, Unvernunft und Ungerechtigkeit schon ein Schritt auf dem falschen Weg sind. 
Diese Gefühle trennen uns von unseren Mitmenschen und noch viel wichtiger: von dem lebendigen Befreiergott. Vormals auf der Basis der Liebe durch Gott befreit, stehen die Menschen immer in der Gefahr sich zu Sklaven ihres Begehrens, der Gier zu machen. So wird dem Nächsten die Liebe und die Gerechtigkeit entzogen und verweigert. Folgen sehen wir täglich in den Medien.
Die zehn Gebote decken die Bereiche auf, in denen wir Menschen miteinander Probleme haben. Sie zeigen auf, dass eine funktionierende menschliche Gesellschaft nur in der Verantwortung vor Gott verwirklicht werden kann. Diese Verantwortung ist der Maßstab und das Korrektiv aus Liebe, das menschliches Verhalten immer wieder auf den rechten Pfad zurückführt, damit sie das Ziel nicht aus den Augen verlieren.
- Hat dich schon mal Begehren blind gemacht? Wie bist du damit umgegangen?
- Hat dich der Besitz glücklich(er) gemacht?
- Wofür würdest du Zeit und Geld opfern, um es haben zu können?

